Extrasystolen, Schmerzen

Kategorie: Herzberatung » Selbsthilfeforum - Herz und Kreislauf

04.02.2019 | 12:56 Uhr

Hi! 

Ich bin neu hier und stelle direkt mal meine erste Frage. 

Und zwar leide ich seit etwa 5 Jahren an Extrasystolen (26 Jahre alt). Auftreten tun diese zumeist bei Erregung oder Angst. Jedoch nicht im Alltag oder beim Sport. Eher Abends im Bett, bei Ruhe. 

Außerdem hatte ich desöfteren, im laufe der Jahre ein kurzes Stechen in der Brust. Allerdings ohne erkennbaren Auslöser, bei Anstrengung tritt bspw. nie etwas auf. Meistens erst wenn ich zur Ruhe komme. 

Nun war ich beim Arzt und dieser sieht das ganze von vorneherein sehr positiv, da laut ihm "in ihrem Alter gar nichts sein kann!". 

Zur beruhigung haben wir ein EKG angefertigt und dabei kam folgendes raus: 

 

Sinusrhythmus

Supraventrkuläre Extrasystole(n)

Lagetyp normal

R-S Übergang in V Ableitungen nach rechts verschoben

Unvollständiger rechtsschenkelblock

sonst normales EKG

 

Und der Arzt war völlig zufrieden und meinte "sag ich doch, alles wie es sein soll. der RSB kommt von ihrer schlanken figur"

 

Ich finde das ehrlich gesagt etwas optimistisch. 

Immerhin steht im Internet zu dem RSB, dass man bei zusätzlichen Brustschmerzen eine 40 prozentige sterberate in dem nächste 7 Tagen beobachtet. 

und die Brustschmerzen seien bei mir ja nur "muskulär bedingt"

 

Aber woher soll er das wissen ohne ultraschall oder dergleichen? 

 

Naja, danke für das Lesen meines Beitrages und eventueller Hilfe dazu.

 

 

Helfen Sie mit Ihrer Bewertung: Ja, dieses Thema ist hilfreich!

0
Bisherige Antworten
Community-Managerin
Beitrag melden
06.02.2019, 14:20 Uhr
Antwort von Community-Managerin

Hallo Heart,

vielen Dank für Ihre Frage an unser Selbsthilfeforum.

Vielleicht wenden Sie sich parallel auch an unseren Expertenrat, hier wird Ihnen unser Expertenteam sicherlich auch etwas zu Ihrem Befund sagen können und Ihre Frage beantworten.

Unseren Expertenrat der Herzberatung können Sie unter folgendem Link finden:

https://www.herzberatung.de/expertenrat/

Dort stellen Sie die Frage einfach noch einmal ein und unser Expertenteam wird Ihnen gerne antworten.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Viele Grüße

Victoria

Lifeline - Community-Managerin

Beitrag melden
03.03.2019, 15:19 Uhr
Antwort

Guten Tag!
Da ich jahrelang GENAU DIE GLEICHEN Probleme wie Du hatte, möchte ich meine Erfahrungen kurz schildern.

Kurze Einführung:
Herzrythmusstörungen können
a) kardiale (im Herzen selbst bedingte) und
b) extrakardiale (außerhalb des Herzens liegende)
Ursachen haben.

Punkt a) sollte man natürlich mit einem normalen EKG, einem Langzeit-EKG und Herz-Echo abklären lassen. Darin sind die Kadiologen Spitze.

Punkt b) sollte man selbst etwas im Blickpunkt behalten, da dies Kardiologen erfahrungsgemäß  schnell abwiegeln und auch andere Ärzte interdisziplinäres Denken verlernt haben. Die Reihe von extrakardialen Ursachen ist fast unerschöpflich.

Organische Probleme (Magen, Galle, Bauspeicheldrüse, Lunge....), Reizweiterleitungsprobleme der Nerven (eingeklemmte Nerven nahe der Brustwirbelsäule, an Rippengelenken, Elektrolyt-Probleme), hormonelle Störungen, muskuläre Probleme und viele andere können die Ursache sein. Oft sind  auch mehrere Probleme gleichzeit beteiligt (z.B.: ein Muskel ist immer wieder verspannt, dadurch wird nahe der Wirbelsäule ein Nerv eingeklemmt, der für die Herzversorgung zuständig  ist; fast jeder kennt das Prinzip von der Lendenwirbelsäule, aber ähnlich ist das auch mit der Brustwirbelsäule, wo die Symphatikus-Nerven für das Herz verlaufen). Am besten mal dazu im Web suchen z.B. bei dr-gumpert.de oder wikipedia gibt es einen ersten Überblick.

Ein weiters GROSSES Problem ist, wenn bei a) etwas gefunden wird, wird nicht mehr bei b) gesucht und man wird oft zu einer Ablation in einem Herzkatheterlabor (eine super Gelddruckmaschine) gedrängt, wo die realistischen Erfolgsraten jedoch gering sind und nur noch mehr Probleme erzeugt werden. Die Ablation sollte aus meiner Sicht die letzte Lösung sein.

Nun zu Deinem/meinem Problem:
Ich habe seit 8 Jahren immer wieder zyklisch wiederkehrend das Problem, daß oftmals nach Belastung des Rückens (z.B. in der Hocke arbeiten, was Schweres tragen...) und hauptsächlich nachts nach dem Einschlafen Herzrythmsstörungen auftreten, allerdings nicht beim Sport, wenn ich den Rücken nicht beuge (z.B. Mountainbiken). Daß sie hauptsächlich nachts auftreten wurde per 72-Stunden-EKG nachgewiesen. Warum nur nachts, konnte der Kardiologe nicht beantworten. Da ich eine undichte Herzklappe habe, haben sich die Kardiologen jahrelang um nichts anderes gekümmert. Ich habe eines Tages den Zusammenhang zwischen Rückenbelastung und HRS hergestellt. Heute weiß ich allerdings, daß die Ursache bei mir das Roemheld-Syndrom ist. Das Roemheld-Syndrom wird von den Ärzten meist bei fettleibigen Patienten in Erwägung gezogen, wo Teile des Bauchraumes in den Brustraum drängen und dort auf Strukturen drücken, die die komplexen Herzsteuerungsmechanismen stören. Bei einer schlanken, sportlichen Person wie mir wurde aber nur abgewunken.
Was war es nun?
Das Roemheld Syndrom hat die Ursache in einen rechtsseitigen Zwerchfellhochstand. Das heißt, das Zwerchfell (unser Atemmuskel) drückt rechts zu weit Richtung Brustkorb und löst dort oben genannte Mechanismen aus.  Beim Bücken und/oder nach zu üppigem Essen tritt dies logischer Weise   besonders auf. Aber auch nachts, wenn die Atmung flacher wird und alle Muskeln und auch unser Zwerchfell sich entspannen, wird der Druck Richtung Brustraum größer und die HRS werden ausgelöst.
Was ist die Ursache für den Zwerchfellhochstand?  
Es kann ein permanent nach oben drückendes Organ sein (Leber, Magen, ...?) und/oder eine Zwerchfellbruch vorliegen, der oft jahrelang nicht erkannt wurde. Besonders rechtsseitig ist im Röntgenbild ein Hochstand ohne Verletzung des Zwerchfells nicht einfach von einem Bruch zu unterscheiden, dann muß ein MRT her. Zwerchfellbrüche  treten oft durch Unfälle auf (Sportunfälle,Verkehrsunfälle..) und werden erst viele Jahre später erkannt. So war es wohl auch bei mir. An 2 "Kanditaten" kann ich mich genau erinnern. Ein Snowboard-Unfall in den 90iger Jahren auf die Brust mit tagelangen unbehandelten Brustschmerzen und ein Speedskating-Unfall 2005 bei 40 km/h. Mein MRT wird demnächst Aufschluß bringen.

Da Du eine Stechen in der Brust hast, halte ich einen Zwerchfellbruch durchaus für untersuchenswert. Also nicht abwiegeln lassen beim Arzt.
Und wichtig: Selbst so viel wie möglich über die Problematik lernen. Wenn man sich auf andere verläßt ist man meist verlassen!
Also bitte selbst etwas medizinische Weiterbildung betreiben und zu den Schlagworten "Roemheld-Syndrom", "Zwerchfellhochstand" und "Zwerchfellbruch" etc.  im web suchen.
Bei Fragen einfach posten!
Gruß und gute Besserung!