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Die Wirkung des Alkohol auf das Herz

Kategorie: Archiv Expertenräte Herzberatung » Herz | Expertenfrage

22.11.2009 | 16:25 Uhr

Wertes Ärzteteam,

vorab: ich hab einen körpergröße von 190cm und wiege 94kg. vorerkrankungen sind keine bekannt. medikamente nehme ich keine.

Vor ca. 6 wochen feierte ich meinen 27. Geburtstag. Diesbezüglich ging ich mit meiner Frau in eine Jazzbar um dort den Tag ausklingen zu lassen. Als wir sodann um 5:30 Uhr zu Hause waren verspürte ich eine schreckliche innere Unruhe. Ein seltsames Gefühl machte sich in meinem Hals breit. Ich dachte kleine Luftballons würden hinter dem "Adamsapfel" platzen. Kurze Zeit später fing mein Herz an zu rasen. Ich rief den Rettungswagen. Zwei Sanitäter kamen in meine Wohnung und überprüften den Blutdruck. Die staunten nicht schlecht, denn der diastolische Wert lag bei 260 - der Puls bei 187 s/min.

Der herbeigerufene Arzt injizierte mir die Wirkstoffe "Beta-Blocker und Diazepam". Ich kam ins KH. Dort hat man einen Drogentest gemacht, weil der Verdacht aufkam, einer hätte mir Koks oder änliches in Glas gemacht. Der Test war negativ. Jedoch betrag die BAK 1.1 Promille. Am Tag darauf folgten Belastungs-EKG, "Herz-ECHO", 24 Std. EKG. Alles o.B.. Der Arzt sagte es sei nicht unüblich dass es bei jungen Menschen zu Herzrhytmusstörungen und Herzrasen kommt. Das ein Ursachenzusammenhang mit dem Alkohol bestehen würde, sei unwahrscheinlich. Ich hab dann 5 Wochen auf Alkohol verzichtet. Letzte Woche hatte mein Opa Geburtstag. Ich spazierte zum Gartenbauverein um ihn zu gratulieren. Wir tranken 2 Gläser Weiswein und einen Schnaps. An das vergangene Ereignis hab ich nicht gedacht. Was 2 Stunden später mit mir geschah, können sie sich vorstellen. Ich hab dann zu Hause von meiner Frau einen Beta-Blocker geschluckt und mich ins Bett gelegt (sie leidet an Bluthochdruck). Nach 3 Stunden war der spuk dann zu ende.

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich zuvor, vor allem in meiner "Wildgelebten Studienzeit", derartige Probleme nicht hatte. Eine mögliche Therapie wäre sicherlich einfach komplett auf Alkohol zu verzichten, was auch kein Problem darstellen würde.

Nun aber zu meiner konkreten Frage: Ist es möglich, dass mein Körper eine Allergie gegen Alkohol "entwickelt" hat? Gibt es sowas überhaupt? Ist es überhaupt objektiv möglich, dass der Konsum (auch geringer Mengen) alkoholischer Getränke solche Entgleisungen hervorruft, obwohl zuvor keine Probleme bestanden? Wenn ja, was könnte dahinter stecken? An welchen (Fach)Arzt könnte mich in der Sache weiter wenden? Ich (als med. Laie) dachte zuerst an "DAO i.V.m. Histamin". Dies ist meiner Meinung unwahrscheinlich. Diese Erkenntnis folgt aus einem Eigenversuch indem ich unmengen an histaminreicher Nahrung verspeist habe, also eigenhändig eine - sagen wir Lebensmittelprovokation - durchgeführt habe. Liebe Grüße

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22.11.2009, 16:36 Uhr
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Lieber Severin,

zunächst mal, ein diastolischer Blutdruckwert von 260 mmHg, wie Sie schreiben, ist sicher ein Meßfehler. Natürlich sind derartige oder ähnliche Reaktionen des Körpers auf Alkohol oder Inhaltsstoffe der genossenen Getränke möglich. Es kann jedoch genauso gut sein, dass die beschriebenen Phänomene eine völlig andere Ursache haben und in keinem Zusammenhang stehen. Sie wurden ja offenbar bereits gründlich kardiologisch untersucht, ohne dass eine relevante Herzerkrankung gefunden werden konnte. Evtl. macht ein "Provokationstest" unter laufender Langzeit-EKG-Aufzeichnung in Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt Sinn.

Viele Grüsse,

Martin Carlitscheck