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Medikation Faktor-V-Leiden-Mutation

Kategorie: Herzberatung » Gerinnungs-Selbstmanagement | Expertenfrage

20.02.2021 | 21:26 Uhr

Guten Tag,

nach einem Schlaganfall mit 30 Jahren wurde bei mir o. g. Gerinnungsstörung festgestellt, homozygot. Nun wurde mir geraten, "dagegen" lebenslänglich täglich ASS100 einzunehmen. Leider erkundigt man sich heutzutage aber auch im Internet, wo ich häufig gelesen habe, dass ASS im venösen Bereich eigentlich keinen Einfluss hat.

Allerdings wurde mir nach neuesten Blutergebnissen auch gesagt, das ASS tut genau, was es soll. Kann man das tatsächlich so einfach testen, ob meine Gerinnung in den Venen dadurch gehemmt wird? Ich bin einfach verunsichert, weil ich durch die homozygote Form ja ein höheres Risiko einer Thrombose/Embolie habe.

Außerdem: soll ich Vitamin K meiden? Da ja auch Vitamin K- Antagonisten bei dieser Mutation verordnet werden. Wäre z. B. ein Vitamin D Präparat mit K2 ungünstig?

Ich weiß, Internet ist eigentlich keine gute Idee, aber ich habe einfach Angst vor einem erneuten Schlaganfall oder einer Lungenembolie. 

Vielen Dank.

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Experte-Riess
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21.02.2021, 10:15 Uhr
Antwort von Experte-Riess

Guten Morgen,

bei dem Vorliegen einer Mutation des Faktors V ist  das Auftreten von Thrombosen deutlich erhöht. Bei einer heterozygoten Mutation, bei der nur ein Elternteil dieses veränderte Gen weitergibt ist mit einem 5-10 fach erhöhten Risiko zu rechnen, bei einer homozygoten Mutation ist das Risiko 50-100 fach erhöht.

Das Auftreten von Schlaganfällen bei dieser Mutation ist eher selten, da diese Veränderung bevorzugt zu Gerinnselbildungen im Bereich der Venen führt. Bei einem Schlaganfall handelt es sich jedochum eine Gerinnsel Verschleppung im Bereich der Arterien, wobei in erster Linie die Blutplättchen (Thrombozyten) eine Rolle spielen. Insofern ist zur Prophylaxe eines erneuten Schlaganfall die Gabe eines Blutplättchen -Hemmers  (Aspirin)sicher sinnvoll. Sie sollten sich sicher auch beim Kardiologen vorstellen, um zu prüfen, ob dem Herzen eventuell eine Situation besteht, die die den Übertritt von Gerinnseln  aus dem venösen System in das artetielle System ermöglicht. Ansonsten hat man Sie hoffentlich darauf hingewiesen, dass sie keine Antibabypille nehmen sollen, nicht rauchen sollen, möglichst kein Übergewicht haben und einen aktiven Lebensstil pflegen sollen.
Sollten Thrombosen auftreten ist Aspirin in der Therapie keine Option.

:IN LOVE: liche Grüße 

Gotthard Ri:KISSED:ess

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gestern, 09:24 Uhr
Kommentar

Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Allerdings habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt: mein Hämatologe hat mir ASS, das ich ohnehin wegen des vorausgegangenen Schlaganfalls nehme, AUCH wegen dieser Mutation empfohlen, sonst hat er nichts verordnet. Und er meinte, man sieht in der aktuellsten Blutuntersuchung, dass das ASS meine Blutgerinnung in Bezug auf die Faktor-V-Mutation tatsächlich normalisiert. Aber kann das denn sein? Wenn man überall liest, dass ASS keinen Einfluss auf die Venen hat, macht mich das eben stutzig. Ich möchte den Ärzten wirklich nicht misstrauen, aber leider existiert das Internet ;-)

Ich wäre ja froh, wenn ich nur ASS beibehalten kann, da ich es sehr gut vertrage. 

Herzliche Grüße

Experte-Riess
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gestern, 21:29 Uhr
Antwort von Experte-Riess

Guten Abend,

ASS sollten Sie auf jeden Fall weiternehmen, die Vorstellung beim Kardiologen mit der Klärung einer möglicherweise gekreuzten Embolie sollte Sie auf jeden Fall machen lassen. Eine Normalisierung der Blutgerinnung bei einer vorliegenden Faktor -V Mutation ist durch ASS sicher nicht möglich, dieser Gen-Defekt lässt sich überhaupt nicht normalisieren, nur das Risiko von gehäuften Thrombosen lässt sich minimieren, aber aktuell brauchen Sie ja diesbezüglich auch keine Therapie. Also Daumen drücken, dass es so bleibt und ASS weiternehmen.

Herzliche Grüße 

Gotthard Riess