ES nach Ablation - Gründe und Prävention?

Kategorie: Herzberatung » Expertenrat Herz | Expertenfrage

18.04.2019 | 20:50 Uhr

Liebes Experten-Team,

ich bin weiblich, 34 Jahre alt, 166 cm, 63 kg und Mutter zweier Kinder (1 und 3,5 Jahre alt)

Anfang Dezember 2018 habe ich mich einer EPU mit Ablation unterzogen. 

Bereits seit etwa 2002 hatte ich in sehr unregelmäßigen Abständen (so, dass in 2 LZEKGs nie etwas aufgezeichnet werden konnte) immer wieder Tachykardien, die i. d. R. nach ca. 30-60 Sekunden vorüber waren und die ich selbst - allein durch tiefe ruhiges Einatmen - unterbrechen konnte. 

Ende Oktober 2018 hatte ich plötzlich eine über eine Stunde anhaltende Tachykardie. Zunächst dachte ich an eine Panikattacke (ich hatte 2000 eine Angststörung, die allerdings seit 2001 ruhte... eine Panikattacke war allerdings aufgrund eines extrem aufreibenden Jahres und starkes Stress an eben diesem Tag nicht sehr abwegig). Der gerufene Hausarzt alarmierte schließlich jedoch den Kardiologen bzw. den Notarzt, da der Puls permanent zwischen 135-190 bpm schwankte). In der Uniklinik konnte schließlich nichts mehr festgestellt werden.

Im Abstand von 1,5-2,5 Wochen folgten weitere Anfälle (in der Regel verbunden mit stressigen Situationen - die Angst hatte mich seit dem ersten Anfall allerdings auch fest im Griff). Die Aufzeichnungen der Uniklinik konnten jedoch keine klare Aussage zu Entstehungsort etc. machen. Aus diesem Grund wurde die EPU vorgeschlagen.

Leider wurde ich während der EPU nicht sediert, um ansprechbar zu sein. Nach diversen Manövern und unendlichen Minuten, die die Tachykardie nicht auslösten, wurde mir ein adrenalinartiges Medikament (oder Adrenalin selbst?) verabreicht, was den gewünschten Erfolg brachte. 

Die Diagnose lautete Vorhofflattern. Sehr ungewöhnlich für ein so junges Herz und wahrscheinlich Resultat einer embryonalen Fehlentwicklung. 

Eine Woche nach der Ablation hatte ich eine erneute Tachykardie. Daraufhin bekam ich einen Betablocker verschrieben, den ich für die folgenden drei Monate einnehmen sollte, um das Herz zu unterstützen. Seitdem hatte ich Ruhe - zumindest vor den Tachykardien.

Seit Mitte/Ende Januar - also rund 6 Wochen nach der Ablation - leide ich nun in unregelmäßigen Abständen unter ES. Den Betablocker habe ich vor etwa 4 Wochen abgesetzt. 

Lange Rede gar kein Sinn... :-)

Nun zu meinen Fragen (das sind leider nicht sehr wenige - ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich bereits einen Termin bei meinem Kardiologen habe. Dieser ist aber erst im Juli...)

Ich gehe davon aus, dass die ES Folge der Ablation sind. Ist dies ein vorübergehendes Phänomen, die sich im Laufe der Zeit wieder regulieren, sobald die gesetzte Narbe vollständig ausgeheilt ist und das Herz wieder seinen Takt gefunden hat? 

Da ich mich (leider!!! - sicher auf Grund der Geschichte aber auch auf Grund der entwickelten Herzneurose in Zusammenhang mit meiner Angststörung) sehr beobachte und sehr in mich hinein höre, habe ich festgestellt, dass dieses Herzstolpern vermehrt in Folge von Stress und Ärger aber auch in Zusammenhang mit Erschöpfung auftritt. Ist das möglich? 

Ich weiß, so sagt es einem jeder Mediziner, dass die ES bei einem gesunden Herzen unbedenklich sind. Ich empfinde sie aber als ausgesprochen unangenehm und beängstigend! 

Außerdem habe ich durch das Tragen meiner jüngsten Tochter enorme Verspannungen im Rücken und im linken Brustbereich. Auch eine Blockade der BWS macht mir Probleme. Kann dies ebenfalls zu vermehrten ES führen?

Unabhängig von den ES ist mir aufgefallen, dass ich schon bei geringer Belastung, z. B. wenn ich mit meiner Tochter die Treppe steige, einen Puls von etwa 130 bpm habe. Nun war es schon immer so, dass mein Puls auch beim Sport immer eher hoch war (dabei habe ich mich nie unwohl oder außer Puste gefühlt) aber auch schnell wieder runter ging (das ist auch heute noch der Fall). 

Kann ich davon ausgehen, dass mein Puls aus Gründen des mangelnden Trainings (ich habe nun seit Oktober 2018 kein Kardiotraining mehr gemacht) durch geringe Belastung so hoch schießt? 

Kann ich mein Herz durch regelmäßiges Kardiotraining vor vermehrten ES schützen?

Ein Belastungs-EKG wurde bislang nicht gemacht, soll aber im Juli (auf meinen Wunsch hin) gemacht werden.

Herzlichen Dank für Ihre Antwort und beste Grüße!

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Bisherige Antworten
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18.04.2019, 22:31 Uhr
Antwort

Als Nachsatz noch: mir ist außerdem aufgefallen, dass die ES sich ebenfalls rund um den Eisprung und den Beginn der Periode häufen. Gibt es auch hier einen Zusammenhang (hormonelle Umstellung)?

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22.04.2019, 19:49 Uhr
Antwort

Heute war ich das erste Mal seit dem ersten Anfall im Oktober und nach der Ablation im Dezember wieder im Fitnessstudio, in dem ich mich vor 3 Wochen angemeldet habe mit dem Ziel mein Herz wieder fitter zu bekommen.

Aber auch vor Oktober hatte ich noch nicht meine alte Kondition von vor der Schwangerschaft zurück (Entbindung März 2018). Wenn man es also genau nimmt, habe ich seit etwa Juli 2017 keinen richtigen ausdauernden Sport mehr gemacht, der das Herz gefordert hätte. Alles in allem bin ich aber ein sportlicher Mensch und ich bewege mich gern und so viel es geht (aber halt nie lange oder kardiolastig).

Nichtsdestotrotz bin ich extrem verunsichert, was die am heutigen Tage beobachtete Leistung bzw. das Verhalten meines Herzens angeht und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie auch diese Unsicherheit in der Beantwortung meiner vorangegangenen Fragen berücksichtigen:

Um ein langsames Training zu starten, habe ich zunächst 30 Minuten auf dem Crosstrainer trainiert. Ziel war dabei nicht über einen Puls von 130 bpm zu kommen. Den hatte ich unmittelbar nach Beginn des Trainings bei Stufe 1/30 Watt. Nach 30 Minuten habe ich eine Pause gemacht, in der der Puls auch unmittelbar wieder runter ging (ca. 80-90 bpm).

Anschließend habe ich noch 20 Minuten auf dem Liegerad trainiert. Hier konnte ich auf Stufe 4/60 Watt steigern, ehe ich 130 bpm erreichte.

Nach dieser Einheit habe ich den Heimweg angetreten. Zunächst ging mein Puls runter, in der Umkleide dann wieder hoch auf 118 bpm, auf dem Heimweg (3 Minuten bergauf) dann sogar weiter hoch auf 128 bpm.

Als ich zu Hause war, merkte ich, dass mein Puls weiter erhöht war. Selbst während einer 30 minütigen Meditation - und diese habe ich erst etwa 3 Stunden später gemacht - blieb er bei rund 105 bpm, was mich extrem irritierte, da ich üblicherweise beim Meditieren einen sehr ruhigen Puls habe... 

Kann dies eine normale Folge des Trainings sein?

Habe ich vielleicht für den Anfang zu viel gemacht (ich fühlte mich während des Trainings allerdings gut)? 

Lifeline Gesundheitsteam
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02.05.2019, 11:25 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo Grete84,

erstmal kann man sagen, dass tatsächlich alle von Ihnen beobachteten Zusammenhänge tatsächlich vorliegen können. Extrasystolen oder Herzstolpern werden durch ganz verschiedene Ursachen ausgelöst oder verstärkt, dazu können Streß, Angst, psychische Belastung, Verspannungen oder Blockaden im Rücken, hormonelle Schwankungen oder aber auch ein Infekt, sowie die erfolgte Ablation zählen. Also ja, alles was Sie beobachtet haben, ist möglich. Ebenso ist es auch möglich, dass sich die Symptomatik bessert, wenn der Heilunhsprozess nach der Ablation weiter fortgeschritten ist. Außerdem kann auch tatsächlich regelmäßiger Sport helfen.

Es ist super, dass Sie im Fitnessstudio waren. Ohne Untersuchungen und ohne dabei gewesen zu sein, ist es immer schwer zu sagen, was tatsächlich die Ursache für dieses Pulsverhalten war. In den meisten Fällen ist es aber tatsächlich einfach eine Überbelastung. Sie sollten versuchen etwas ruhiger an die Sache zu gehen. Prinzipiell scheint Ihr Training sehr sinnvoll, aber vielleicht versuchen Sie das Ganze mit 10Schlägen/min weniger und schauen wie sich das Ganze auswirkt. Auf jeden Fall sollten Sie sich nicht entmutigen lassen. Eventuell kann auch ein Fitnesstest helfen herauszubekommen wo Ihr optimaler Trainingsbereich liegt. Dieser wird manchmal im Fitnessstudio direkt angeboten, ansonsten kann man solch eine Leistungsdiagnostik auch beim Arzt machen lassen. Zwar kostet das auch Geld, lohnt sich aber in jedem Fall.

Mit freundlichen Grüßen 

Lifeline Gesundheitsteam